Grand Slam
Im Jahr 2025 galt im Rahmen unseres Sommer-Turnieres für die Gruppe der spielstärksten Teilnehmer der Spiel-Modus "Best-of-Five". Es waren sechs Spieler in der Gruppe und jeder hatte über einen Zeitraum von vier Monaten fünf Matches zu spielen. Nur ein Spieler hat sich an die Vorgabe gehalten, sämtliche Matches in einem Stück zu spielen. Die anderen fünf Teilnehmer hatten die Hälfte ihrer Matches unterbrochen und an einem anderen Tag zu Ende gespielt.
Im Folgejahr gab der Veranstalter wieder den Spiel-Modus "Best-of-Five" vor - mit der Betonung die Matches nicht zu unterbrechen. Eine deutliche Mehrheit der Teilnehmer wünschte sich daraufhin eine Rückkehr zu zwei Gewinnsätzen. Da niemand zu etwas gezwungen werden soll, sondern der Spaß im Vordergrund steht, hat der Veranstalter dem Wunsch entsprochen.
Dieses Beispiel zeigt, welch' Überwindung es kostet, sich der Herausforderung eines Best-of-Five-Matches zu stellen.
Der Blick auf die Profis
Die vier Turniere in Melbourne, Paris, London und New York sind seit einigen Jahren die einzigen Turniere, bei denen die Herren drei Gewinnsätze spielen ("Best-of-Five").
Ein Spieler, der alle vier Turniere irgendwann einmal gewonnen hat, erreicht einen Career Grand Slam. Ein Spieler, der alle vier Turniere in einem Jahr gewinnt, hat den Calendar Grand Slam. Ein Spieler, der zusätzlich noch in dem Jahr die olympischen Spiele gewinnt, erreicht den Golden Slam - dies erreichte bislang nur eine Person:
Grand Slams sind der einzige Ort, wo Damen deutlich mehr verdienen als die Herren - das Preisgeld ist zwar gleich, doch müssen die Damen deutlich weniger dafür tun, weil sie lediglich zwei Gewinnsätze spielen. Warum eigentlich?
Dass es so ist, liegt nicht an den Spielerinnen und es war auch nicht immer so.
Die Lösung wäre ganz einfach: In der ersten Woche spielen Damen wie Herren Best-of-Three und in der zweiten Woche spielen sie Best-of-Five.
Erst bei einem Match über fünf Sätze wird das von einem Tennisspieler vollständig abgefordert, was diesen Sport in der Wettkampfform ausmacht.
Um nach zwei Stunden bei einem 0:2 Satzrückstand das Blatt gegen einen gleichguten oder besseren Spieler wenden zu können - mit dem Wissen, dass vermutlich weitere zweieinhalb bis drei Stunden zu kämpfen sind -, braucht es besondere Fähigkeiten.
Diejenigen, die jetzt meinen, die körperliche Belastung sei wegen der langen Dauer oder der Laufstrecke so groß, die müssen zur Kenntnis nehmen, dass die tatsächliche Spielzeit eines Matches bei rund 20% liegt - also, wenn die Match-Uhr 5 Stunden anzeigt, hat das Spiel auf dem Feld lediglich rund eine Stunde in Anspruch genommen

Und die zurückgelegten Wege eines Turnierspielers sind zu vernachlässigen.
Die Ausdauerleistung eines Turnierspielers liegt darin, über den gesamten Zeitraum mit voller Konzentration zu spielen, sie ist also vor allem psychischer und mentaler Natur - eine vergleichbare Leistung findet sich im Schach.
Die tennisspezifische körperliche Ausdauerleistung liegt darin, auch nach fünf Stunden noch die gleiche Schnelligkeit und Beschleunigung in der Lauf- und Schlagarbeit zu haben, wie in den ersten zehn Minuten.
Rodmey George Laver hat es in den 1960ern wie folgt formuliert: "Man muß sie [die Schläge] auch unter stärkstem Druck mit der nötigen Härte, dem nötigen Ballgefühl und der erforderlichen Genauigkeit spielen können."

Dies allein ist bereits hinreichend, um die Bedeutung dieses Tennisspielers zu unterstreichen.
Bemerkenswert ist auch, dass er neben seinen insgesamt elf Titeln im Einzel weitere sechs Titel im Doppel und drei im Mixed gewann. Darüber hinaus gewann er mit dem australischen Team fünfmal den Davis Cup. Es gibt noch einige andere Spieler, die ähnlich vielseitig bei Grand Slam Turnieren siegten, doch die alle überragende Spielerin ist Martina Navratilova mit 18 Titeln im Einzel, 31 im Doppel und 10 im Mixed.
Und wie im Video erwähnt, gewann Rod Laver 200 Turniere (128 als Amateur und 72 als Profi). Den Rekord auf der Profi-Tour hält bis heute Jimmy Connors mit 109 Siegen, danach Federer mit 103, Djokovic mit 101, Lendl mit 94 und Nadal mit 92 Siegen.
Rod Laver durfte fünf Jahre lang nicht an Grand Slam Turnieren teilnehmen - was wäre da noch möglich gewesen?
Alles zusammen betrachtet, macht verständlich, wenn der ebenfalls legendäre Tennis-Kommentator Bud Collins den kleinen Rod Laver als den Größten unter den Großen dieses Sports betrachet.
Rod Laver ist sich seiner Ausnahmestellung bewusst. Trotzdem findet er sehr wertschätzende Worte gegenüber anderen Spielern seiner Zeit, die ihm das Gefühl gaben, es gibt noch andere hervorragende und sogar bessere Spieler:
Kurios ist, dass Lavers Höchstplatzierung in der Weltrangliste lediglich die Position 3 im Jahr 1974 war - das liegt aber daran, dass das offizielle computergestützte ATP-Ranking erst im Jahr 1973 eingeführt wurde.
Im August 2026 wird Rod Laver sein 88. Lebensjahr beenden und geht damit in die Zielgerade zum runden Jubiläumsgeburtstag in 2028.
Das Jahr 2019 war das 50. Jubiläumsjahr seines zweiten Calender Grand Slam, was mit kleinen Trophäen geehrt wurde. Der kleine große Mann ist und bleibt ein fester Bestandteil des jährlich stattfindenden Tennis-Zirkus.
Das Paradoxon des Tennissports liegt darin, dass für eine geringe tatsächliche Spielzeit und eine ebenfalls geringe Gesamt-Laufstrecke eine hohe tennisspezifische Fitness antrainiert werden muss, deren Methoden aus der Leichtathletik und dem Kraftsport abgeschaut wurden. Und diejenigen, die dies als Erste in vollem Umfang erkannten und umsetzten, waren die Australier.
Vor diesem Hintergrund sind die Sätze "La victoire appartient au plus opiniâtre" und "Victory belongs to the most tenacious" zu verstehen, die seit 2001 an den Rängen des Philippe Chatrier, des Center Court der French Open zu lesen sind.
Der Napoleon zugeschriebene Satz "La victoire appartient au plus opiniâtre" fand sich auch auf einem Propeller eines vielseitigen Mannes (Pianist, Fußballer und Radfahrer), der sich das Fliegen selbst beibrachte, eine Innovation für den Luftkampf einführte und damit zum Piloten des ersten Jagdflugzeuges wurde - sein Name ist Roland Adrien Georges Garros.
Nachdem die vier Tennis-Musketiere (René Lacoste, Henri Cochet, Jacques Brugnon und Jean Borotra) erstmals in 1927 den Davis Cup gegen die Amerikaner in den USA gewonnen hatten, waren die Franzosen Gastgeber für den nächsten Davis Cup. Dafür brauchte es eine entsprechende Tennisanlage - es entstand das Stade Roland Garros.
Am Eröffnungstag der French Open 2025 wurde der Mann verabschiedet, der sich dort in die Turnier-Geschichte spielte (Klick auf das Foto führt zur Quelle):

Am Finaltag der French Open 2025 erlebten wir erneut Tennis-Geschichte. Die Tennisfans waren weltweit Zeuge eines spektakulären Finales. Außerdem zeigten sich beide Spieler fair, als sie den Schiedsrichter jeweils zu Gunsten des Anderen korrigierten und damit an das Spiel zwischen Donald Budge und Gottfried von Cramm im Jahr 1937 erinnerten.
Carlos Alcaraz und Jannik Sinner zogen die Zuschauer von Beginn bis Ende in den Bann eines Tennis-Dramas auf sehr hohem Niveau. Beide spielten sofort aggressiv mit hoher Geschwindigkeit. Allerdings war die Zahl der unnötigen Fehler im ersten Spiel auch sehr hoch - dies änderte sich im weiteren Verlauf. Es war "Tennis vom anderen Stern", wie ein Zeitungsreporter am Tag darauf kommentierte.
Nach 3 Stunden und 44 Minuten hat Jannik Sinner drei Match-Bälle:
Für alle, die dieses phantastische Match in voller Länge sehen wollen:

Bei diesem Finale geriet Boris Becker ins Schwärmen und konnte sich nicht erinnern, ein French Open Finale auf dem Niveau gesehen zu haben. So ist verständlich, dass auch andere Reporter zu Lobeshymnen neigten.
Doch es gab bereits vorher Matches auf dem Niveau. Ein sehr anschauliches Beispiel für die unbändige Kraft und Athletik von Rafael Nadal und die nicht nachlassende Widerstandsfähigkeit seines gleichwertigen Gegners Dominic Thiem ist deren Match im Jahr 2018. Das folgende Video zeigt das Match ohne die Pausen - das transportiert die Energie, die beide Spieler von der ersten bis zur letzten Minute versprühten.
Auf spürbare Weise verkörpern die Spieler, was Rod Laver formulierte: "Man muß sie [die Schläge] auch unter stärkstem Druck mit der nötigen Härte, dem nötigen Ballgefühl und der erforderlichen Genauigkeit spielen können."
Das Match war ein Viertel-Finale, hatte aber die Qualität eines Finales.
Wer spektakuläre Grand Slam Finals sehen möchte, der kann dies mit folgenden drei Videos tun:

