Confusion & Solution
Das Problematische an Bill's Betrachtung war, dass er den forced error der Gruppe der errors zuordnete. Diese Zuordnung wirkt zwar sprachlich zwingend, doch gibt es ein bedeutungslogisches wie auch ein statistisches Problem.
Das sprachliche Problem und seine Lösung
Das Wort Fehler beinhaltet, dass wir auch anders hätten handeln können. Haben wir nicht die Möglichkeit, anders zu handeln, weil wir unter Zwang stehen, dann ist unsere Handlung kein Fehler sondern eine erzwungene Handlung. Die Wörter forced und error sind unvereinbar.
Leo Levin hat folgerichtig gesagt: “A forced error is much closer to a winner than it is to an unforced error." Was wir mit der Zuordnung des forced error tun, ist laut Leo vor allem eines: “What we are trying to do is place the blame, first and foremost”.
Richtig ist, einen erzwungenen Punkt dem Spieler gutzuschreiben, der diesen zwingenden Punkt geschlagen hat: “Any time there is a forced error, the preceding shot has to be an aggressive forcing shot.”
Leo Levin hat es bereits ausgesprochen - die Tenniswelt hat nur nicht hingehört und die richtigen Konsequenzen daraus gezogen.
Die Schlussfolgerung und Lösung ist, in Zukunft von folgenden drei Punkt-Gruppen zu sprechen:
winner - forced point - error
Das Adjektiv forced wird beibehalten und das Wort point verweist darauf, worum es im Wettkampf eigentlch geht: am Ende eines Ballwechsel steht der Punkt. Und die höchste Form der Konzentration besteht darin, wenn ein Spieler in der Lage ist, sich von Punkt zu Punkt zu spielen und den Spielstand ausblendet. Dann sagen wir "Der Spieler ist im Tunnel" oder "The player is in the zone".
Das statistische Problem und seine Lösung
Das Problem liegt in einem Widerspruch, der sich beim Vergleich der beiden Konzepte aggressive margin und win error ratio ergibt.
Bill Jacobson sagt “The aggressive component is measured by “points won forcing” data – the player’s outright winners plus errors forced during a match.”
Die drei Wörter “points won forcing” setzt er in Anführungszeichen und sie tauchen als Redewendung viermal in seinen beiden Artikeln auf.
Von dieser aggressive component ist die error component (die in Wirklichkeit keine zusammengesetzte Komponente ist, sondern dem unforced error entspricht) abzuziehen, was dann die aggressive margin ergibt.
Für die win error ratio sagt Bill: „Errors include forced and unforced.”
Die forced errors werden also einmal einer aggressive component zugeordnet und das andere Mal den errors.
Was denn nun? Wieso können die forced errors einmal zu einer aggressive component gehören und einmal zur Gruppe der errors? Das ist nicht stimmig und macht keinen Sinn.
Dies lässt sich elegant auflösen, wenn wir von forced point als eigener Punktgattung sprechen, die weder einer aggressive component noch den errors zuzuordnen sind. Der forced point ist neutral.
Wenn man nach einem Match das Video schaut und sich dabei alle forced points gesondert anschaut, kann entschieden werden, ob der Punkt wirklich so zwingend war. Das ist dann Sache des Spielers und ggf. seines Teams.
Der scorekeeper trifft diese Entscheidung nicht, sondern stellt lediglich die zwingende Situation fest, indem er den Punkt als forced point bewertet.
